Haus abreißen oder sanieren?
Wann sich ein Abriss mehr lohnt
Käufer und Verkäufer müssen sich je nach Alter und Zustand eines Hauses mit der Frage auseinandersetzen: Lohnt sich die Sanierung noch – oder ist es wirtschaftlich sinnvoller, das Haus abzureißen und neu zu bauen?
Die Antwort hängt nicht nur davon ab, was eine Sanierung kostet. Entscheidend ist vor allem, welchen Wert die Immobilie nach der Sanierung hat und welcher Wert durch einen Neubau entstehen könnte.
Denn eine Investition von 300.000 Euro in ein altes Haus bedeutet nicht automatisch, dass das Haus anschließend auch 300.000 Euro mehr wert ist. Gerade bei stark sanierungsbedürftigen Gebäuden lohnt sich deshalb ein Vergleich.
Die Antwort hängt nicht nur davon ab, was eine Sanierung kostet. Entscheidend ist vor allem, welchen Wert die Immobilie nach der Sanierung hat und welcher Wert durch einen Neubau entstehen könnte.
Denn eine Investition von 300.000 Euro in ein altes Haus bedeutet nicht automatisch, dass das Haus anschließend auch 300.000 Euro mehr wert ist. Gerade bei stark sanierungsbedürftigen Gebäuden lohnt sich deshalb ein Vergleich.
Wann sollte man über einen Abriss nachdenken?
Ein Abriss kann wirtschaftlich interessant werden, wenn mehrere größere Sanierungen oder Umbaumaßnahmen gleichzeitig notwendig sind. Das könnte der Fall sein, wenn
- das Dach erneuert werden muss
- die Heizungsanlage veraltet ist
- alle Fenster ausgetauscht werden müssen
- Elektro- und Wasserleitungen erneuert werden müssen
- Feuchtigkeit im Keller oder Mauerwerk vorhanden ist
- eine umfangreiche energetische Sanierung notwendig wird
- der Grundriss nicht mehr zeitgemäß ist
- größere Eingriffe in die Gebäudekonstruktion notwendig sind
- auf dem Grundstück durch einen Neubau wesentlich mehr oder bessere Wohnfläche entstehen könnte
Ein einfaches Zahlenbeispiel: Sanieren oder neu bauen?
Nehmen wir ein Einfamilienhaus aus dem Jahr 1965. Das Haus hat 150 m² Wohnfläche und steht auf einem 700 m² großen Grundstück. Aus Sicht des Eigentümers betrachten wir zunächst nur die notwendigen Investitionen und den jeweils erwarteten Immobilienwert danach.Möglichkeit 1: Das alte Haus wird saniert
Möglichkeit 2: Abriss und Neubau
Für den Neubau entstehen in diesem Beispiel also Mehrkosten wie folgt: 535.000 € – 360.000 € = 175.000 €.
Der Mehrwert des Neubaus rechnet sich wie folgt: 750.000 € – 600.000 € = 150.000 € .
Bei diesen Zahlen spricht die Rechnung zunächst eher für die Sanierung. Denn für den Neubau müssten 175.000 Euro zusätzlich investiert werden, während der angenommene zusätzliche Immobilienwert lediglich 150.000 Euro beträgt.
- Dach, Fenster und Fassade 90.000 €
- Heizung und energetische Maßnahmen 80.000 €
- Elektrik und Leitungen 60.000 €
- Innenausbau, Bäder usw. 90.000 €
- Planung und Reserve 40.000 €
- Gesamtkosten Sanierung 360.000 €
Möglichkeit 2: Abriss und Neubau
- Abriss und Entsorgung 35.000 €
- Neubau einschließlich Baunebenkosten 500.000 €
- Gesamtkosten 535.000 €
Für den Neubau entstehen in diesem Beispiel also Mehrkosten wie folgt: 535.000 € – 360.000 € = 175.000 €.
Der Mehrwert des Neubaus rechnet sich wie folgt: 750.000 € – 600.000 € = 150.000 € .
Bei diesen Zahlen spricht die Rechnung zunächst eher für die Sanierung. Denn für den Neubau müssten 175.000 Euro zusätzlich investiert werden, während der angenommene zusätzliche Immobilienwert lediglich 150.000 Euro beträgt.
Was passiert, wenn die Sanierung teurer wird?
Genau hier liegt das Risiko bei älteren Gebäuden. Nach Beginn der Arbeiten werden beispielsweise zusätzliche Schäden am Keller, an Leitungen und am Dachstuhl festgestellt. Statt 360.000 Euro kostet die Sanierung nun 430.000 Euro.
Die Mehrkosten des Neubaus gegenüber der Sanierung betragenb jetzt nur noch 535.000 € – 430.000 € = 105.000 €.
Gleichzeitig bleibt der Mehrwert des Neubaus bei 150.000 €.
Unter diesen vereinfachten Annahmen wird der Neubau damit wirtschaftlich deutlich interessanter. Zusätzlich besitzt der Eigentümer anschließend einen Neubau statt eines sanierten Gebäudes aus den 1960er-Jahren.Das bedeutet nicht automatisch, dass der Abriss immer die bessere Lösung ist. Es zeigt aber, warum man nicht nur die reinen Baukosten betrachten darf.
Die Mehrkosten des Neubaus gegenüber der Sanierung betragenb jetzt nur noch 535.000 € – 430.000 € = 105.000 €.
Gleichzeitig bleibt der Mehrwert des Neubaus bei 150.000 €.
Unter diesen vereinfachten Annahmen wird der Neubau damit wirtschaftlich deutlich interessanter. Zusätzlich besitzt der Eigentümer anschließend einen Neubau statt eines sanierten Gebäudes aus den 1960er-Jahren.Das bedeutet nicht automatisch, dass der Abriss immer die bessere Lösung ist. Es zeigt aber, warum man nicht nur die reinen Baukosten betrachten darf.
Die entscheidende Frage lautet: Was ist die Immobilie danach wert?
Ein häufiger Denkfehler lautet: „Wenn ich 400.000 Euro in die Sanierung investiere, muss mein Haus anschließend ungefähr 400.000 Euro mehr wert sein.“ Das stimmt nicht.
Der Markt entscheidet darüber, welchen Preis Käufer für eine Immobilie bezahlen. Angenommen, ein unsaniertes Haus hat einen Marktwert von 400.000 Euro. Der Eigentümer investiert anschließend 350.000 Euro in eine umfangreiche Sanierung. Wenn vergleichbare sanierte Häuser in dieser Lage aber nur für ungefähr 600.000 Euro verkauft werden, ist aus 400.000 Euro Immobilienwert plus 350.000 Euro Investition nicht automatisch eine Immobilie im Wert von 750.000 Euro geworden.
Der Marktwert könnte trotz der hohen Investition lediglich bei rund 600.000 Euro liegen. Deshalb sollte vor einer großen Sanierung nicht nur gefragt werden, was die Sanierung kostet. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Was ist das Haus nach der Sanierung voraussichtlich wert?
Der Markt entscheidet darüber, welchen Preis Käufer für eine Immobilie bezahlen. Angenommen, ein unsaniertes Haus hat einen Marktwert von 400.000 Euro. Der Eigentümer investiert anschließend 350.000 Euro in eine umfangreiche Sanierung. Wenn vergleichbare sanierte Häuser in dieser Lage aber nur für ungefähr 600.000 Euro verkauft werden, ist aus 400.000 Euro Immobilienwert plus 350.000 Euro Investition nicht automatisch eine Immobilie im Wert von 750.000 Euro geworden.
Der Marktwert könnte trotz der hohen Investition lediglich bei rund 600.000 Euro liegen. Deshalb sollte vor einer großen Sanierung nicht nur gefragt werden, was die Sanierung kostet. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Was ist das Haus nach der Sanierung voraussichtlich wert?
Grundstück und Gebäude getrennt betrachten
Bei sehr alten oder stark beschädigten Häusern kann noch ein weiterer Effekt auftreten: Das Grundstück ist wertvoll – das darauf stehende Gebäude dagegen kaum noch.
Nehmen wir ein stark vereinfachtes Beispiel. Ein unbebautes Grundstück wäre aufgrund seiner Lage und Nutzungsmöglichkeiten ungefähr 420.000 Euro wert. Auf dem Grundstück steht jedoch ein stark sanierungsbedürftiges Haus. Der Abriss würde beispielsweise 40.000 Euro kosten.
Für einen Käufer, der ohnehin neu bauen möchte, könnte sich deshalb vereinfacht folgende Überlegung ergeben: 420.000 € Grundstückswert – 40.000 € Abrisskosten = 380.000 €.
In einer solchen Konstellation kann das vorhandene Gebäude wirtschaftlich sogar eine Belastung darstellen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Verkehrswert exakt 380.000 Euro beträgt. Für eine fachgerechte Immobilienbewertung müssen weitere objektspezifische und marktbezogene Faktoren berücksichtigt werden.
Nehmen wir ein stark vereinfachtes Beispiel. Ein unbebautes Grundstück wäre aufgrund seiner Lage und Nutzungsmöglichkeiten ungefähr 420.000 Euro wert. Auf dem Grundstück steht jedoch ein stark sanierungsbedürftiges Haus. Der Abriss würde beispielsweise 40.000 Euro kosten.
Für einen Käufer, der ohnehin neu bauen möchte, könnte sich deshalb vereinfacht folgende Überlegung ergeben: 420.000 € Grundstückswert – 40.000 € Abrisskosten = 380.000 €.
In einer solchen Konstellation kann das vorhandene Gebäude wirtschaftlich sogar eine Belastung darstellen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass der Verkehrswert exakt 380.000 Euro beträgt. Für eine fachgerechte Immobilienbewertung müssen weitere objektspezifische und marktbezogene Faktoren berücksichtigt werden.
Was spricht eher für die Sanierung?
Eine Sanierung kann sinnvoll sein, wenn die Grundsubstanz des Gebäudes noch gut ist und mit überschaubaren Investitionen ein zeitgemäßer Zustand erreicht werden kann.
Beispiel: Das Haus ist 450.000 Euro wert. Die Sanierung kostet 150.000 Euro. Nach der Sanierung beträgt der erwartete Marktwert 620.000 Euro. Die Investition von 150.000 Euro führt in diesem vereinfachten Beispiel zu einem Wertzuwachs von 620.000 € – 450.000 € = 170.000 €. Das kann wirtschaftlich attraktiv sein.
Beispiel: Das Haus ist 450.000 Euro wert. Die Sanierung kostet 150.000 Euro. Nach der Sanierung beträgt der erwartete Marktwert 620.000 Euro. Die Investition von 150.000 Euro führt in diesem vereinfachten Beispiel zu einem Wertzuwachs von 620.000 € – 450.000 € = 170.000 €. Das kann wirtschaftlich attraktiv sein.
Was spricht eher für Abriss und Neubau?
Anders kann es aussehen, wenn ein Gebäude praktisch vollständig erneuert werden muss.
Beispiel: Das alte Objekt ist 400.000 Euro wert. Davon entfällt ein sehr großer Teil auf das Grundstück. Eine Kernsanierung kostet 400.000 Euro. Nach der Sanierung ist die Immobilie voraussichtlich 600.000 Euro wert.
Trotz einer Investition von 400.000 Euro ist der Marktwert also lediglich um 600.000 € – 400.000 € = 200.000 € gestiegen. Dann sollte unbedingt geprüft werden, ob Abriss und Neubau wirtschaftlich sinnvoller sind.
Beispiel: Das alte Objekt ist 400.000 Euro wert. Davon entfällt ein sehr großer Teil auf das Grundstück. Eine Kernsanierung kostet 400.000 Euro. Nach der Sanierung ist die Immobilie voraussichtlich 600.000 Euro wert.
Trotz einer Investition von 400.000 Euro ist der Marktwert also lediglich um 600.000 € – 400.000 € = 200.000 € gestiegen. Dann sollte unbedingt geprüft werden, ob Abriss und Neubau wirtschaftlich sinnvoller sind.
Besonders wichtig: Kann auf dem Grundstück größer gebaut werden?
Einer der wichtigsten Gründe für einen Abriss wird häufig übersehen. Es geht nicht nur um den Zustand des Hauses, sondern auch um das Potenzial des Grundstücks.
Angenommen, auf einem Grundstück steht ein altes Einfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche. Nach dem geltenden Baurecht könnte dort aber beispielsweise ein Gebäude mit deutlich mehr Wohnfläche entstehen. Dann besitzt das Grundstück möglicherweise ein Potenzial, das durch das bestehende Gebäude nicht ausgenutzt wird.
Vor einem Abriss muss allerdings unbedingt geprüft werden, was anschließend tatsächlich neu gebaut werden darf. Denn nur weil heute ein bestimmtes Gebäude auf dem Grundstück steht, bedeutet das nicht automatisch, dass ein Neubau in derselben Größe oder Form genehmigungsfähig wäre.
Angenommen, auf einem Grundstück steht ein altes Einfamilienhaus mit 120 m² Wohnfläche. Nach dem geltenden Baurecht könnte dort aber beispielsweise ein Gebäude mit deutlich mehr Wohnfläche entstehen. Dann besitzt das Grundstück möglicherweise ein Potenzial, das durch das bestehende Gebäude nicht ausgenutzt wird.
Vor einem Abriss muss allerdings unbedingt geprüft werden, was anschließend tatsächlich neu gebaut werden darf. Denn nur weil heute ein bestimmtes Gebäude auf dem Grundstück steht, bedeutet das nicht automatisch, dass ein Neubau in derselben Größe oder Form genehmigungsfähig wäre.
Die einfache Entscheidungsformel
Eigentümer sollten deshalb nicht nur fragen: Was kostet die Sanierung?
Stattdessen sollten vier Zahlen gegenübergestellt werden:
1. Was ist meine Immobilie heute wert?
2. Was kostet die vollständige Sanierung realistisch?
3. Was ist die Immobilie nach der Sanierung voraussichtlich wert?
4. Was kosten Abriss und Neubau – und welchen Wert hätte die Immobilie anschließend?
Erst wenn diese Zahlen bekannt sind, lassen sich beide Möglichkeiten sinnvoll miteinander vergleichen.
Stattdessen sollten vier Zahlen gegenübergestellt werden:
1. Was ist meine Immobilie heute wert?
2. Was kostet die vollständige Sanierung realistisch?
3. Was ist die Immobilie nach der Sanierung voraussichtlich wert?
4. Was kosten Abriss und Neubau – und welchen Wert hätte die Immobilie anschließend?
Erst wenn diese Zahlen bekannt sind, lassen sich beide Möglichkeiten sinnvoll miteinander vergleichen.
Fazit
Ob man ein Haus besser sanieren oder abreißen sollte, hängt nicht allein von den Baukosten ab.Ein Abriss kann besonders dann sinnvoll werden, wenn die vorhandene Bausubstanz schlecht ist, eine Kernsanierung sehr teuer wird oder das Grundstück durch einen Neubau wesentlich besser genutzt werden könnte. Eine Sanierung ist dagegen häufig sinnvoll, wenn die Gebäudesubstanz gut ist und mit einer überschaubaren Investition ein deutlicher Wertzuwachs erreicht werden kann.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Nicht fragen, wie viel Geld man in das alte Haus investieren kann – sondern wie viel die Immobilie nach dieser Investition tatsächlich wert sein wird.
Wer vor einer umfangreichen Kernsanierung steht, sollte deshalb immer auch die Alternativen Abriss und Neubau durchrechnen lassen. Denn manchmal ist es wirtschaftlicher, 500.000 Euro in einen Neubau zu investieren als 400.000 Euro in ein Gebäude, dessen grundlegende Nachteile trotz der Sanierung bestehen bleiben.
Hinweis: Sämtliche Zahlenbeispiele in diesem Artikel sind vereinfachte Rechenbeispiele und keine pauschalen Markt- oder Baukosten. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von Lage, Grundstückswert, Gebäudesubstanz, Baurecht, Finanzierung, Steuern, Fördermöglichkeiten und den konkreten Bau- und Sanierungskosten ab.
Bitte beachten Sie, dass Immobilienmakler keine rechtliche Beratung anbieten dürfen. Die dargestellten Informationen sind daher lediglich als Hinweise zu verstehen. Für eine rechtssichere Beratung zu allen relevanten Details wenden Sie sich bitte an Notare, Anwälte und Steuerberater.
Die wichtigste Regel lautet deshalb: Nicht fragen, wie viel Geld man in das alte Haus investieren kann – sondern wie viel die Immobilie nach dieser Investition tatsächlich wert sein wird.
Wer vor einer umfangreichen Kernsanierung steht, sollte deshalb immer auch die Alternativen Abriss und Neubau durchrechnen lassen. Denn manchmal ist es wirtschaftlicher, 500.000 Euro in einen Neubau zu investieren als 400.000 Euro in ein Gebäude, dessen grundlegende Nachteile trotz der Sanierung bestehen bleiben.
Hinweis: Sämtliche Zahlenbeispiele in diesem Artikel sind vereinfachte Rechenbeispiele und keine pauschalen Markt- oder Baukosten. Die tatsächliche Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von Lage, Grundstückswert, Gebäudesubstanz, Baurecht, Finanzierung, Steuern, Fördermöglichkeiten und den konkreten Bau- und Sanierungskosten ab.
Bitte beachten Sie, dass Immobilienmakler keine rechtliche Beratung anbieten dürfen. Die dargestellten Informationen sind daher lediglich als Hinweise zu verstehen. Für eine rechtssichere Beratung zu allen relevanten Details wenden Sie sich bitte an Notare, Anwälte und Steuerberater.
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